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EL vs. PL - Zwei Wege zur Qualitätsprüfung von PV-Modulen

EL & PL für PV-Module: Kurzvergleich von Tageslicht-Photolumineszenz und Elektrolumineszenz zur Erkennung von Mikrorissen, Shunts und Degradation.

EL & PL für PV-Module: Kurzvergleich von Tageslicht-Photolumineszenz und Elektrolumineszenz zur Erkennung von Mikrorissen, Shunts und Degradation.

Mini‑Glossar

BegriffKurz erklärt
LumineszenzLichtemission einer Solarzelle, wenn viele Ladungsträger rekombinieren (bei Si im nahen Infrarot).
ELLumineszenz durch elektrische Anregung: Das Modul wird in Vorwärtsrichtung bestromt.
PLLumineszenz durch optische Anregung: z. B. Laser/LED im Labor oder Sonnenlicht im Feld.
Tageslicht‑PL (DPL)PL im Feld: Die Sonne regt an. Das schwache PL‑Signal wird durch Vergleich zweier Betriebspunkte vom Sonnenhintergrund getrennt.
(DaySy) Tageslicht‑ELEL bei Tageslicht: Das Lumineszenzsignal wird über Modulation + Lock‑In robust aus dem Umgebungslicht extrahiert.
Shunt / HotspotLokaler Fehlerpfad (niedriger Parallelwiderstand) bzw. thermisch auffälliger Bereich unter Betrieb.
PID / LeTID / UVIDDegradationsmuster, die sich in Lumineszenzbildern als charakteristische Helligkeitsverteilungen zeigen.

So haben wir EL und PL 1:1 verglichen (Kurzfassung):

  • Umgebung: Hinterhof / realistische Feldbedingungen
  • Abstand: ca. 2 m
  • Optik: 12 mm Objektiv
  • Kamera: DaySy Cam (5 MP)
  • Einstrahlung: ca. 800 W/m²
  • Aufnahme: nacheinander, gleiche Perspektive, gleiche Szene
  • EL: Stromanregung bei I ≈ Isc
  • PL: Tageslicht‑PL am Leerlauf (Sonne als Anregung)

DaySy-Setup bei der Messung im Hinterhof Abbildung 1: DaySy‑Setup im Hinterhof (Beispielmessung unter realistischen Bedingungen).


1) Lumineszenz in 60 Sekunden

Eine Solarzelle kann man sich auch als große LED vorstellen: Gibt man Energie hinein (elektrisch oder optisch), steigt die Trägerdichte – ein Teil rekombiniert strahlend und sendet Licht aus. In Lumineszenzbildern gilt deshalb ganz grundsätzlich:

  • hell → lokal „gute“ Bedingungen für Rekombination/Spannung
  • dunkel → lokal weniger Lumineszenz (Ursache kann verschieden sein)

Wichtig: „dunkel“ bedeutet nicht automatisch dasselbe in EL und PL, weil beide Verfahren unter anderen elektrischen Randbedingungen arbeiten.


2) Elektrolumineszenz (EL): der Blick auf Strompfade

Bei EL wird das Modul in Vorwärtsrichtung bestromt. Dadurch fließt Strom über Metallisierung, Zellverbinder und Kontakte – und genau das macht EL so aussagekräftig:

EL ist besonders gut für

  • Kontakt-/Leitpfadprobleme (Fingerunterbrechungen, Lötstellen, Verbinder)
  • elektrisch aktive Risse und Entkopplungen (oft sehr kontrastreich)
  • Shunts
  • Degradationsmuster (z. B. PID/LeTID/UVID)

Typische Praxis‑Hürde: Für EL braucht man eine Stromquelle und ein sicheres Vorgehen bei DC‑Spannungen/Strömen. Im Feld kann das schnell zu Aufwand führen (Zugang, Sicherheit, ggf. externe Stromversorgung).

Elektrolumineszenz (EL) von dem getesteten Trina Solar Modul Abbildung 2: EL‑Bild (Beispiel). Sichtbar sind u. a. Mikrorisse, Splitterbrüche und Kratzer.


3) Photolumineszenz (PL): der schnelle Blick bei Tageslicht

PL wird optisch angeregt:

  • Labor‑PL: Laser/LED, oft zell-/wafernah, sehr kontrolliert.
  • Tageslicht‑PL (im Feld): Die Sonne regt an.

Der Knackpunkt im Feld: Das PL‑Signal ist viel schwächer als reflektiertes Sonnenlicht. Deshalb arbeitet Tageslicht‑PL typischerweise so, dass mindestens zwei Bilder bei unterschiedlichen elektrischen Betriebspunkten aufgenommen und gegeneinander verrechnet werden – so bleibt das Lumineszenzsignal übrig.

Im Feld heißt das praktisch: keine Modul‑Kontaktierung / kein Abklemmen einzelner Module, aber in der Regel Zugriff auf String/Wechselrichter (oder Schalttechnik), um die Betriebspunkte sicher umzuschalten.

Der operative Vorteil: Für Tageslicht‑PL ist meist kein Hochleistungs‑Generator zur Rückbestromung nötig (typisch: kein 20‑kW‑Generator, wie er bei klassischer Feld‑EL oft mitgeführt wird). Das macht PL als Screening‑Werkzeug extrem attraktiv – vor allem bei großen Anlagen.

Photolumineszenz (PL) von dem getesteten Trina Solar Modul Abbildung 3: PL‑Bild (Beispiel). Mikrorisse/Splitterbrüche/Kratzer sind ebenfalls klar erkennbar.


4) Was bedeutet „dunkel“ wirklich?

Ein häufiger Stolperstein in Kundengesprächen ist die Erwartung, dass „dunkel = defekt“ in allen Verfahren gleich zu lesen sei.

  • EL (bei Vorwärtsstrom, z. B. ~Isc): Dunkel wird es oft dort, wo Strompfade behindert sind (Kontakt, Serienwiderstand) oder wo Shunts die lokale Spannung „wegziehen“.
  • PL (am Leerlauf): Dunkel wird es vor allem dort, wo die lokale Spannung durch Rekombinationsverluste oder Shunts sinkt.

Beide Methoden zeigen also „weniger Lumineszenz“ – aber die dominante Ursache unterscheidet sich.

Schematischer Vergleich von EL und PL zeigt Defekte: Mikrorisse Abbildung 4: Links EL, rechts PL – beide zeigen Mikrorisse, Kratzer und Splitterbrüche.

Takeaway:

Für mechanische Einwirkungen von außen (Transport, Montage, Schnee-/Hagellast) liefern beide Verfahren eine sehr ähnliche Aussagekraft.


5) Wer sieht was?

PL ist „Hero“ bei:

  • Mikrorissen (mechanische Schäden)
  • PID/LeTID/UVID (Degradationsmuster)
  • Shunts/Hotspots (in PL häufig sehr deutlich, gerade bei Splitterbrüchen)

EL ist „Hero“ bei:

  • Fingerunterbrechungen / Metallisierung
  • Lötstellen-/Verbinderproblemen
  • Bypassdioden‑Themen / Teilstring‑Effekten

Beide sehen gut:

  • mechanische Zellschäden (Mikrorisse, Splitterbrüche, Kratzer)
  • viele Shunt‑/Hotspot‑Signaturen (je nach Betriebspunkt und Messsetup)

6) „Wann EL, wann PL?“ – eine Entscheidungshilfe

Use‑CaseEmpfehlungWarumTypische Treffer
Anlieferungsprüfung (Stichprobe)PL (installiert), EL (Palette)Schnell, wenig LogistikTransport-/Handling‑Schäden, erste Degradationsmuster
Abnahme nach Montage / SATPLMontage und Transport bedingen mechanische SchädenMikrorisse
O&M Screening (Betrieb)PLGroße Fläche effizient, tagsüberDegradationsmuster, mechanische Auffälligkeiten, Shunts
Nach Hagel/Sturm/SchneePLVersicherungsrelevanz: „Was ist Einwirkung von Außen?“Einschläge, Splitterbrüche
Reklamation / StreitfallKombi (mit Katalog)Nachvollziehbare Argumentation braucht Vergleich + StandardbegriffeDefektklassen, Nachweise, Dokumentation
Root‑Cause / ForensikKombiZusammenspiel aus Kontaktierung, Shunts und RissenMikrorisse, Degradation, Herstellungsfehler

7) DaySy: Tageslicht‑EL mit PL‑Fähigkeiten

Das DaySy‑System wurde entwickelt, um Lumineszenzbilder bei Tageslicht robust zu machen:

  • Bei DaySy‑EL wird ein moduliertes elektrisches Signal angelegt; die Kamera/Software extrahiert die Lumineszenz über Lock‑In zuverlässig aus dem hellen Umgebungslicht.
  • Ergänzend kann DaySy auch PL‑Messungen abbilden (Tageslicht‑PL über Betriebspunkt‑Switching) – bei uns oft als DaySy‑PL – besonders sinnvoll für schnelles Screening.

Kurz: Wir müssen nicht „warten bis es dunkel ist“ – und können je nach Fragestellung EL und/oder PL im Feld einsetzen.


8) Auswertung: KI‑unterstützt, aber immer mit menschlicher Kontrolle

Wir nutzen KI für Vor‑Klassifikation / Pre‑Labeling – damit große Datenmengen schnell strukturierbar sind.

Wichtig dabei:

  • Human‑in‑the‑Loop: Ergebnisse werden von unseren Experten kuratiert.
  • Triple‑Check‑Voting bei Pass/Fail‑Grenzfällen.
  • Defekte werden gemäß vereinbartem Defektkatalog dokumentiert (inkl. klarer Benennung; auf Wunsch angelehnt an gängige Nomenklaturen wie VDE SPEC 90031).

Teaser Richtung Quantifizierung: Die Forschung zeigt, dass sich aus Tageslicht‑EL unter passenden Betriebspunkten sogar leistungssensitive Aussagen (z. B. zu Serienwiderstandsverlusten) ableiten lassen.


9) Unsere typischen Service‑Pakete

Screening (schnell, großflächig)

  • Ziel: Auffällige Bereiche/Module finden
  • Deliverables: Bilddaten + Defekt‑Heatmap + Prioritätenliste (A/B/C)

Forensik (wenn es wirklich „warum?“ heißen muss)

  • Ziel: Ursachenklärung (Transport, Montage, Wetter, Degradation)
  • Deliverables: Detailreport mit Defektklassen, Bildbelegen, Plausibilisierung über Messkontext

Post‑Event / Claim‑Support (Hagel, Sturm, Schnee)

  • Ziel: belastbare Dokumentation für Entscheidungen/Versicherung
  • Deliverables: Ereignisreport, Schadensübersicht, Nachweispaket (Bilder, Klassifikation, Begründung)

Fazit

  • EL bleibt die stärkste Methode, wenn es um Kontaktierung, Leitpfade und „elektrische“ Interpretation geht.
  • Tageslicht‑PL ist oft der schnellste Weg, um mechanische Schäden und Degradationsmuster großflächig zu screenen – ohne den logistischen Aufwand klassischer Feld‑EL.
  • Für Abnahme, Reklamation und Schadensbewertung ist die Kombination häufig am belastbarsten.

Wenn du wissen willst, was in deiner Anlage wirklich los ist: Wir messen tagsüber – und wir liefern nicht nur Bilder, sondern Entscheidungen.


Drohne im PV-Park – Lumineszenzmessung im Feld an Modulreihen, durchgeführt vom Solarzentrum Stuttgart

Abbildung 5: Zeigt eine Lumineszenz-Messung im Feld, durchgeführt vom Solarzentrum Stuttgart mit Drohne.


Kleingedrucktes (aber wichtig)

Lumineszenzbilder sind eine Momentaufnahme. Aussagen zu Ertragswirkung/Prognosen sind nur mit Kontext belastbar (z. B. IV‑Daten, Temperatur, Einstrahlung, Anlagenhistorie). Die Defektbewertung hängt vom vereinbarten Defektkatalog und der Interpretation des Auswerters ab. Arbeiten an PV‑Strings/Anlagen dürfen nur durch qualifiziertes Fachpersonal erfolgen.

Literatur

  1. L.-M. Stoicescu, Bildgebende Messung der Lumineszenz von Photovoltaikanlagen unter Tageslicht, Dissertation, Universität Stuttgart, 2019.
  2. VDE SPEC 90031 V1.0 (en), Electroluminescence (EL) of photovoltaic modules – Terms and classification, 06.01.2025.
  3. H. Gottlieb et al., Power Losses From Series Resistances—Analysed Using Daylight Photoluminescence Imaging, Progress in Photovoltaics: Research and Applications, 2025, doi: 10.1002/pip.70022.
  4. Solarzentrum Stuttgart GmbH, DaySy EL – Operation Manual, Rev. Sept. 2023 (Anfrage möglich).
  5. Solarzentrum Stuttgart GmbH, Defektkatalog zur Elektrolumineszenz‑Messung (Anfrage möglich).
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